Jahreskreisfest Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, Mabon

20.09.2017 07:35

Herbst-Tag-und-Nachtgleiche

In der Natur

Der September ist ein Übergangsmonat und wird oft als der schönste Monat im Jahr empfunden. Allmählich erlischt die Kraft des Sommers und geht über in herbstliche Reife. Auch wenn es tagsüber noch richtig schön warm ist, sind die Nächte kühl und morgens begegnen uns vermehrt Nebelschwaden über den Feldern. Der 22. September markiert den kalendarischen Herbstbeginn. Die Vegetationsperiode ist zu Ende, aber wir genießen noch die Früchte des Sommers.

Die Kräuterernte oberhalb der Erde ist abgeschlossen. Bis Oktober können die Wurzeln noch ausgegraben werden. Alant- und Angelikawurzel beschenken uns mit einem sehr aromatischen Räucherduft. Beide sind fester Bestandteil in Mischungen für Haus- und Personenräucherungen. Allerlei Wildgehölze wartet jetzt mit feinen Früchten auf: Ebereschen, Sanddorn, Weißdorn, Holunder und Schlehen. In Räuchermischungen erfreuen sie die Nase mit einer fruchtig-würzigen Note und das Auge mit einem herbstlichen Farbenspiel.

Auf feuchten Wiesen und Böschungen zeigen sich die Herbstzeitlosen mit ihren krokusartigen Blüten. Astern, Dahlien, Fetthenne und sogar noch Rosen sorgen zusammen mit anderen Herbstblühern für die letzten bunten Farbtupfer im Garten. In den Weinbergen wird mit der Weinlese begonnen.  Je nach Witterung beginnt das Laub sich schon zu verfärben bzw. fällt ab. Bei den Hirschen beginnt die Brunftzeit und bei den Vögeln sind es die großen Vogelzüge Richtung Süden. Manche Tierarten bereiten sich vor, indem ihnen so langsam der Winterpelz wächst. Der sogenannte Altweibersommer hält Einzug, eine Bezeichnung für eine stabile Wetterlage mit gleichbleibend warmen Tagen.  Der Begriff hat nichts mit „alten Weibern“ zu tun, sondern leitet sich von der veralteten Bezeichnung für weben, nämlich „weiben“ ab. Damit wurden die Fäden der Spinnen bezeichnet, die gerade im Herbst, wenn der Tau in den Netzen hängt, so gut sichtbar sind.

Die Menschen haben nun endgültig realisiert, dass sich der Sommer verabschiedet hat. Die letzten warmen Sonnenstrahlen werden ausgenützt. Wir sitzen vielleicht noch draußen im Café, das Gesicht Richtung Sonne gereckt, eine Decke um die Hüften geschlungen. Die quirligen, lebendigen Wochen mit vielen Aktivitäten unter freiem Himmel ziehen vor unserem inneren Auge vorbei. So langsam breitet sich etwas Wehmut im Herz aus. Es wird bewusst, dass wir etwas zurücklassen, nämlich die Leichtigkeit und den Übermut des Sommers. Ganz langsam und gemächlich bereiten wir uns auf die dunkler werdende Jahreszeit vor. Im Unterschied zur Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche nehmen wir jetzt statt Aufbruch und Neubeginn ein Gefühl der Sättigung wahr. So wie die Natur ihren Rückzug ankündigt, so spüren wir eine langsam beginnende Innenwendung.

Jahreskreis - Altar

Der Herbst wartet üppig auf, um die jahreszeitliche Wende auch im Haus deutlich zu machen. Schöne, bunte Herbstblätter oder das ungewöhnlich geformte Eichenlaub, Pilze, die papierartigen Blüten der Hortensien, der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) mit seiner dunkelrot schimmernden Farbe, Heidekraut in den unterschiedlichsten Tönen, Goldrute, Nüsse und Kastanien, Kürbisse, goldgelbe Quitten und rotbackige Äpfel, all das regt die Phantasie bei der Betrachtung an und versetzt in die passende Stimmung. Kürbissuppe, Gemüsekuchen und Weintrauben reichern das Fest mit Gleichgesinnten kulinarisch an.

Die passenden Farben sind gold/gelbgold, purpur bis blaulila, der Farbe von Weintrauben und das satte Orange der Kürbisse.  Gold steht wie keine andere Farbe für Fülle und Üppigkeit. Wir empfinden es als wärmend und assoziieren damit das Licht und die Strahlen der Sonne. In Gold begegnen wir der Vollkommenheit und der Verwandlung vom irdischen ins göttliche. Welche passendere Farbe gäbe es, um den Dank für die Erntefülle ins Reich der Götter zu schicken? Purpur bis blaulila vereinigt in sich Erhabenheit und Mystik und steht gleichzeitig für Demut und Hingabe. Diese spüren wir angesichts der Vielfalt reifer Früchte und Gemüse, die die Natur uns jedes Jahr aufs Neue und völlig vorbehaltlos schenkt. In Orange kleidet sich Bacchus, der römische Gott der Ausschweifungen, der Fruchtbarkeit und des Weines. Ihre wohltuende, positiv stimmende Wirkung offenbart sich in Lebensfreude und Lebensenergie. Genau das wird benötigt angesichts dem Beginn der dunklen Jahreshälfte.

   

Bedeutung, Mythologie und Brauchtum

Die Frühjahr- wie die Herbst-Tag- und-Nachtgleiche nennen wir auch Äquinoktien, von lateinisch aequus „gleich“ und „nox“ Nacht. Die Bezeichnung Mabon für die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche scheint etwas aus der Reihe zu tanzen und genau wie Alban Elved eine Bezeichnung neueren Datums zu sein. Mabon bezeichnet den Sohn der Göttin Modron, der geraubt und in Gefangenschaft gehalten wurde. Seine Befreiung hat er König Arthur und seinem Gefolge zu verdanken. Als Begriff leitet sich Mabon von dem keltischen Gott Maponos oder Mapunus, dem Gott der Jagd, der Jugend und vermutlich auch der Fruchtbarkeit und des Lichts ab. Daraus könnte eine Erklärung für die Bezeichnung des Festes abgeleitet werden, für das es keine historischen Belege gibt: Zum Zeitpunkt der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche nimmt das Licht ab und die Sonne verschwindet in der Unterwelt wie Mabon in seinem Kerker. Das englische Wikipedia gibt weiteren Aufschluss: Der Begriff Mabon soll erst 1970 von einem neuheidnischen Autor geprägt worden sein, wobei die Gründe im Dunkeln liegen.

Ein Blick ins Brauchtum lohnt sich jedoch auch hier. Der Erntemonat September war früher von großer Bedeutung. Alles, was jetzt für den Winter geerntet und haltbar gemacht werden konnte, war Garant für ein sicheres Überleben in der kalten Jahreszeit. Es gab sehr viel zu tun und je besser die Wettergötter gelaunt waren, desto sicherer war eine reichhaltige Ernte. Verantwortlich dafür war die Erdgöttin, weshalb ihretwegen Opfer gebracht wurden und Dankesfeiern stattfanden. Diese Erntedankfeste begannen zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche und dauerten bis zum darauffolgenden Vollmond. Der Erdgöttin wurden die besten Früchte und Nüsse geopfert, damit sie auch im kommenden Jahr für eine gute Ernte sorgen würde. Je nach Region sind auch heute noch Wein-, Zwiebel- und Kartoffelfeste und Kirchweihfeste beliebt. Die Bräuche des Herbstes waren maßgeblich geprägt von Ehrung, Dank und Segen der Ernte. Das Ende einer arbeitsreichen Zeit wurde gefeiert, die den Menschen das Überleben der nächsten Monate gesichert hat. Eine Umdeutung durch die Kirche hat hier nicht stattgefunden, was auch nicht nötig war. Denn es war kein sexuell motiviertes Fest und es gab auch keinen Bezug zu den Ahnen. Allerdings haben sich die Strukturen in unserem Leben geändert. Zu jeder Zeit gefüllte Supermarktregale und der Zugriff auf Nahrungsmittel aus aller Welt erschweren die gedankliche Rückkopplung, dass all dies von Mutter Natur kommt. „Ernte-Dank“ zu empfinden oder gar zu feiern, scheint überflüssig zu sein oder verkommt zu Festivitäten, in denen lediglich das üppige Essen und Trinken im Mittelpunkt stehen, jedoch kein Empfinden von Dank damit einhergeht.

Persönliche Fragestellungen

Der Herbst verkündet einen stillen Wendepunkt. Wir schauen sacht und liebevoll auf die vergangenen Monate und üben uns darin, vorerst nichts zu bewerten. So wie sich unter den Bäumen so langsam die Blätter sammeln, sammeln wir die Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Monate und lassen sie vor unserem inneren Auge Revue passieren. Doch Achtung: Es geht noch nicht um tiefes Loslassen und Verabschieden. In diesem Zusammenhang finden wir oft den Begriff „Trauerarbeit“ und das nicht nur, wenn es um den Tod eines nahestehenden Menschen geht, sondern auch in Situationen und Dingen, die losgelassen werden wollen. Bereits das Wort „Arbeit“ verleiht dem Begriff zusätzliche Schwere. Zudem fehlt das Gegenstück völlig: „Dankes- und Freudenarbeit“ existiert in unserem Sprachgebrauch nicht. Die Brille, durch die wir aktuell schauen wollen, ist jedoch die der Dankbarkeit und Freude. Genau das ist es, was der Seele am meisten gut tut und sie nährt. Stellen wir uns einen Laubwald vor zu dieser Jahreszeit, dann ist das ein überaus farbenprächtiger Umkehrschwung. Wenden wir diese Qualitäten auf uns selbst an, gilt es, die Pracht unseres Lebens in den letzten Monaten wert zu schätzen. Bringen wir es ruhig auf den Punkt: Selbstlob ist angesagt! Wir huldigen unseren Fähigkeiten und Leistungen der letzten Monate.

·         Was lässt mich lächeln, wenn ich an die letzten Monate denke?

·         Wofür kann ich von Herzen dankbar sein?

·         Welche Samen habe ich gesät, welche sind herangereift, welche liegen noch unberührt im Erdreich?

·         Wie fühlen sich die Früchte an, die ich ernten konnte?

·         Welches Bedürfnis habe ich besonders genährt? Wo lag meine Aufmerksamkeit?

·         Welche Herausforderungen habe ich gemeistert?

·         Wo fühle ich mich in einem guten Gleichgewichtszustand in meinem Leben? Wo bin ich ganz in meiner Mitte?

Während Ihres Räucherrituals können Sie neben den Notizen zu den Jahreskreisfesten eine kleine Dankes-Sammlung beginnen.

Räuchern und Ritual

Zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche passt zusätzlich ein schönes Dankesritual für die Naturwesen und –elemente. Räucherpflanzen können auch den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft zugeordnet werden.

Feuer: Die Kräfte des Feuers assoziieren wir mit Wärme, Licht, Entspannung, Wohlgefühl. Es ist leider nahezu aus unserem Leben verschwunden. Offene Kamin-Feuerstellen im Haus und das Herdfeuer gibt es kaum mehr und die fragwürdige Brandmelder-Verordnung erschwert es zusätzlich. Feuer gehört jedoch zu den ganz wichtigen Elementen in unserem Leben. Es hat als einziges Element die Kraft der Transformation, der Wandlung, und der Reinigung. Inneres Feuer, Leidenschaft, Begeisterung und „für etwas brennen“ sind die Eigenschaften, die persönliche Veränderung und Wandlung begünstigen.

Feuer-Räucherpflanzen:

Rosmarin, Thymian, Beifuß (auch Erdelement), Weißdornblüten, Johanniskrautblüten, Zirbenholz und –nadeln, Triebspitzen der Zypresse, Eberesche, Drachenblut, Galgantwurzel, Zimtblüte, -rinde, Muskatnuss, Damiana. Neben vielen anderen Wirkungsweisen stärken sie alle das Selbstbewusstsein und haben eine herzöffnenden Einfluss. Fast alles kann selbst gesammelt werden. Die Zirbe finden wir allerdings nur in Österreich und der Schweiz.

Erde: Als Element steht sie für Struktur, Verwurzelung, die goldene Mitte, den Ausgleich und leitet die Jahreszeiten ineinander über. Mütterlichkeit, deswegen sprechen wir von Mutter Erde, und Fruchtbarkeit gehören ebenfalls zu ihren Charakteristika.

Erde-Räucherpflanzen: Eichenrinde, Blüten von Rotklee, Giersch, Ringelblume, Schafgarbe, Linde, Galbanum, Tolubalsam, Labdanum, Myrrhe, Opoponax, Guggul, Styrax. Beim Spaziergang im Wald kann eine Handvoll Eichenrinde mitgebracht werden, Giersch, Schafgarbe Linde und Ringelblume finden wir ebenfalls in freier Natur oder im Garten. Wenn nicht im eigenen, dann kann vielleicht im FreundInnenkreis ein fröhlicher Räucher-Pflanzen-Tausch stattfinden.

Wasser: Als reinigendes Ritual-Element hat es eine wichtige Bedeutung, auch in der Religion als  Tauf- und Weihewasser. Es wird immer assoziiert mit dem Unbewussten, den Gefühlen und der Seele. Der Begriff Seele ist etymologisch auf See bzw. dem urgermanischenen Begriff saiwaz zurückzuführen.

Wasser-Räucherpflanzen: Baldrian, Mädesüß, Silberweide, Birkenrinde, -blätter, Erle, Moschuskörner, Benzoe Siam, Boldoblätter, Elemi.

Luft: Unsichtbar und lebensnotwendig, das ist die Luft. Ähnlich wie das Wasser hat sie die reinigende Kraft, die erfrischt und zudem beweglich, schnell und flexibel ist. Zu ihr gehören Phantasie, Kreativität und die Welt der Träume. Bildlich steht sie für Austausch, Kommunikation, Geist, Verstand und Intellekt.

Luft- Räucherpflanzen: Steinklee, Zitterpappel, Mistel, Eisenkraut, Weißer Copal, Dammar, Sandarak.

Für weitere Opfergaben wie für Tiere, Steine, Naturwesen wie Elfen, Zwerge, Feen, Sylphen, u.a. und für Wesenheiten aus der Geistwelt dürfen Sie Ihre eigene Kreativität aktivieren. Es sollte auf natürliches Material geachtet werden, das sich restlos in den Kreislauf einfügt und auflöst. Auch Tabak, Haare und Spucke, ja selbst Urin, können Opfergaben sein. 

Dieses Ritual ist natürlich besonders schön, im Freien zu machen. Wenn Sie dazu keine Möglichkeit haben, kreieren Sie zuhause Ihren heiligen Raum/Ecke/Nische für dieses Ritual.

Ritualeröffnung

- Rufen Sie die Kräfte herbei, denen Sie danken und opfern möchten. Es sollte sich für Sie authentisch anfühlen, deswegen wählen Sie Ihre eigenen Worte und formulieren, wofür Sie danken möchten. Eine Hilfe ist immer, sich an den Eigenschaften der Elemente zu orientieren und welchen Bezug Sie zu ihnen haben. Sobald Sie beginnen, sich mit den Elementen und den verschiedenen Wesenheiten zu beschäftigen, wird sich in Ihrem Innern eine Qualität einstellen, die Ihnen die Worte auf die Zunge zaubert. Deswegen geht es hier nicht um exakte Vorgaben im Sinne von „Ich danke dem Wind für 1., 2., 3.“. Vielmehr steht im Vordergrund, sich mit den Elementen zu verbinden und deren Wesen zu erspüren. In dem Augenblick wird sich wie von selbst zeigen, wofür Sie selbst danken möchten.

Wenn das Ritual im Freien stattfindet, opfern bzw. räuchern Sie dort, wo die Elemente sind bzw. von Ihnen vermutet werden.

Zur Opferung für die Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft wählen Sie 1-3 der erwähnten Räucherstoffe für jedes Element aus Ihrem Vorrat oder die Sie selbst sammeln können. Während die Mischung gemörsert, zerrieben und verbunden wird, beschäftigen wir uns bereits mit den Pflanzenwesen und deren Qualitäten. Wenn Sie dies im Kreis mit Gleichgesinnten tun, kann auch jeder sein Liebelingsräucherwerk, das für jeweils ein Element steht, hineinreiben und –mörsern und dabei die Qualitäten der Elemente laut aussprechen, die ihm wichtig sind. Die Räucherung findet entweder am offenen Feuer statt mit dem lauten Aussprechen des Dankes für jedes Element. Genauso können Sie es mit einer Räucherkohle im Raum machen.

Die Opfergaben für die anderen Elemente können in der Erde vergraben, dem Wasser übergeben oder falls es sich um Räucherwerk handelt, natürlich verräuchert werden.

Schließen Sie das Ritual wie üblich ab, in dem Sie den Elementen, die Sie begleitet haben, danken.

Wer es bis hierhin gelesen hat: DANKE! Und ich freue mich, wenn ihr jetzt zurückgeht zu Facebook, den Post und meine Seite liked und gerne teilt  :-)

Mehr zu den Jahreskreisfesten finden Sie in meinem Buch Räuchern im Rhythmus des Jahreskreises, KOSMOS-Verlag

Copyright LAB.DANUM Die Räuchermanufaktur, Christine Fuchs

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