Ostara und Ostern - christlicher Brauch mit heidnischen Wurzeln?!

19.03.2018 09:05

Fruehlings-Tag-und-Nachtgleiche-Ostara-Eostre-Ostern

Mit dem Jahreskreisfest Ostara wird nicht nur die Fruchtbarkeitsgöttin Ostara verbunden, die auch Eostre, Eostrae oder Ostara von der Morgenröte genannt wird, sondern natürlich auch Ostern, das jedoch vorrangig aufgrund seiner phonetischen Nähe zu Ostara. Viel mehr ist es auch nicht…

Die mit der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche verbundene germanische Göttin Ostara, die im Neuheidentum gerne als verromantisiertes Motiv von Ostara herhalten muss, scheint ziemlich umstritten in der Geschichte. Stand der herrschenden Lehrmeinung ist, dass sie durch sprachwissenschaftliche Vergleiche von Jacob Grimm (1785-1863) entstanden ist, der den Namen aus einer vermeintlich germanischen Frühlingsgöttin hergeleitet hat. Basis dafür bildeten die Ausführungen eines anglikanischen Kirchenhistorikers namens Beda, wonach die Herkunft des Begriffs auf Eostur-monath, nämlich April zurückzuführen ist. Eostur-monath soll wiederum auf eine heidnische Göttin Eostre zurückzuführen sein, zu deren Ehren im April Feste abgehalten wurden. Bei den vielfältigen Diskussionen um Ostara geht es jedoch eher um die problematische Namensform, die im Grunde nicht belegbar ist.

Jacob Grimm jedenfalls fand diese Herleitung des Namens Ostara ziemlich schlüssig, er fand Anhänger, darunter Friedrich Kluge, der in seinem Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache fortan Ostern mit Ostara erklärt. Auch Forscher wie z.B. Leopold von Schröder, ein deutscher Indologe bzw. Sanskritforscher (1851-1920) folgte dieser Spur und bringt Eostre-Ostara sogar in einen verwandtschaftlichen Zusammenhang mit weiteren Göttinnen, die alle die Morgenröte bzw. den Tagesanbruch symbolisieren: Die römische Aurora , die indische Ushas und Eos von Griechenland.

Fakt ist, dass eine ganze Reihe von Wissenschaftlern und Forschern sowohl von Ostara wie auch der angelsächsischen Götterkollegin Eostre nicht überzeugt sind und deren Existenz anzweifeln. Als einer ihrer Gründe führen sie die Tatsache an, dass lediglich im Süd- und Mitteldeutschen der Begriff Ostern verankert war, im Nordwestdeutschen jedoch von Paschen gesprochen wird, das auf das hebräische Pesach-Fest zurückgeht. Außerdem zweifeln sie an, dass ausgerechnet Mönche, die aus dem Angelsächsischen aufs Festland kamen, um mit ihrer Hilfe die weitere Ausbreitung des Christentums anzuschieben, auf einen heidnischen Begriff für eine Festlichkeit zurückgegriffen haben sollen. Wenn sie das getan haben sollten, dann in Unwissenheit einer heidnischen Göttin.

Soweit wissenschaftliche Fakten, die jedoch Überlieferungen aus Volks- und Brauchtum nicht in ihre Betrachtungsweise mit einbeziehen. Denn dass es ein Frühlingsfest bei den Germanen gegeben haben muss, das mit einer bestimmten Gottheit verbunden war, wird nicht angezweifelt. Allerdings mangelt es auch hier wieder an Aussagen, mit welchen Inhalten dieses Fest gefüllt war und begangen wurde.

In welchem Zusammenhang steht nun also das christliche Osterfest mit Ostara? Wenn wir genauer hinschauen, ist außer dem sprachlich ähnlichen Klang erst mal keine Gemeinsamkeit feststellbar, wie bereits oben erwähnt. Diese wissenschaftlich-nüchterne Betrachtung befriedigt jedoch keineswegs unsere Sehnsüchte, die Wendepunkte der Natur im Jahr bewusst wahrzunehmen und zu feiern. Deshalb stellt sich die Frage, was denn im Volks- und Brauchtum noch übrig ist von traditionellen Ritualen rund um die Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche, auch Äquinox genannt. Denn irgendwie müssen ja Hase, Osterei und Marienkäfer ins Spiel gekommen sein.

Dazu mehr im nächsten Blog.

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