Weihrauch in vorchristlicher Zeit

13.05.2018 19:55

Verwendung-von-Weihrauch-im-Heidnischen

In früheren Zeiten war Wohlgeruch immer ein Zeichen von gesundem Leben. Denn sobald ein guter Geruch wahrgenommen wurde, wies dies auf die Anwesenheit der lebens-spendenden Götter hin. Der Weihrauch spielte dabei eine entscheidende Rolle, denn wir begegnen ihm vor allem dann, wenn es um den Umgang und den Kontakt mit den Göttern ging.

Der duftende Rauch war bereits in vorchristlicher Zeit vor allem das bekannte, ständig präsente Medium in die geistige Welt. Dazu benötigten die Menschen keine Tempel und auch keine Priester. Denn geräuchert wurde nach Bedarf an jeder Feuerstelle, in jeder Hütte und jedem Haushalt nach Bedarf. Die Gabe von Rauchopfern bescherte den Menschen im Diesseits die Zuwendung ihrer Götter im Jenseits, wie es auch im Alten Testament nachzulesen ist. Das ging sogar so weit, dass jedem Gott ein bestimmter Duft zugeordnet war. Erst später kam es zu einer Verbindung zwischen Tempelkulten und Rauch- oder Brandopfern. Gerätschaften, Blumen oder Opfertiere wurden aus einem Selbstverständnis heraus geräuchert, um sie kultisch rein zu machen. Gleichzeitig wird deutlich, dass in der altägyptischen, althebräischen oder altgriechischen Zeit besondere kultische Handlungen auf die Priesterschaft übergingen und dieser dann vorbehalten waren. In der althebräischen Kultur können wir dafür heute zwei Gründe erkennen: die zunehmenden Vorherrschaft Jahwes im Götterhimmel sowie die Vorstellung von Ruach, dem schöpferwirksamen, weiblichen Geist Jahwes.

Diese althebräische Kultur kann beispielhaft verdeutlichen, welch großen Stellenwert früher das Räuchern innehatte. Ruach bedeutet Hauch, Luft, Wind, Atem, Geist, Heiliger Geist, daneben auch Feuernebel oder Feuerluft. In der Anthroposophie finden wir dafür Begriffe wie Lebenskraft, Entfaltung, Gemüt, Wille, Geist oder Ich. Die alttestamentlichen Texte bringen Ruach immer in Verbindung mit dem Handeln Gottes, da dieser als Geist der Schöpfung Bewegung veranlasst und die Triebkraft für Verwandlung ist. Ruach setzt Prozesse in Gang: für Heilung, Befreiung, Liebe, Wahrheit, Heiligung. Aus anthroposophischer Sicht wird sogar eine sprachliche Verwandtschaft zwischen Ruach (hebr. ‏רוח‎, Luft, Wind) mit Rauch, aber auch mit Ruch, ruchbar und Geruch nachgewiesen und als Bezeichnung für Verstandes- und Gemütsseele verstanden.

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