Sommersonnenwende am 21. Juni

19.06.2018 20:23

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Sommersonnenwende, 21.Juni

Auch: Alban Hevin (keltisch) - Johannis - Mittsommer

Bedeutung:  längster Tag, kürzeste Nacht. Eintritt in die dunkle Jahreshälfte

Die Helligkeit und die Stunden des Lichtes erreichen zu Sommersonnwend ihren höchsten Stand. In mitteleuropäischen Breiten ist es 17 Stunden hell und nur  7 Std. dunkel. Obwohl wir erst den Beginn des Sommers wahrnehmen, befinden wir uns trotzdem schon am Ende der Aufwärtsbewegung des Sonnenlichts – und damit an einem Wendepunkt. Der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres sind gleichzeitig der Beginn der Umkehrbewegung. Der Höhepunkt der Herrschaft des Lichtes ist gleichzeitig der Anfang ihres Niedergangs, der Beginn für das langsame und steige Zurückgehen, Zurücknehmen, Wenigerwerden.

Die Sommersonnwende ist eines der 4 großen Sonnenfesten. Ihr Gegenstück ist die Wintersonnwende. Daneben gibt es noch die Frühjahrstagundnachtgleiche und die Herbsttagundnachtgleiche, wenn man von den vier weiteren absieht, wo sich immer alle Gemüter streiten, ob es Mond- oder Sonnenfeste sind. Die energetische Qualität dieser Zeit ist bestimmt von Licht und Helligkeit. Mythologisch siegt da Licht über die Finsternis, so wie im Dezember die Nacht über das Licht triumphiert. Es ist die Zeit der Freude, des Lachens, der Liebe zum Leben.

Im Licht der Sonne gilt es nun, alles Verborgene ans Licht zu bringen. Für alle lebenden Wesen ist es die Zeit zu wachsen, zu entfalten. Alles erreicht seinen Höhepunkt, den man genießen kann, um ihn danach wieder loszulassen. 

Was tut sich in der Natur an der Sommersonnenwende?

Pflanzen sind in die Höhe gewachsen, alles ist in voller Pracht, Volumen, Ausdehnung, Fruchtansetzung, Reifen um den Kern herum. Aus Blüten reifen Früchte, Gemüse u Obst kann geerntet werden. Die Natur schenkt uns eine Fülle von Früchten. Luft: Duft nach frischgemähtem Gras. Blumen in den Farben Orange, rot, rosa, rot, bis zu violett, blau… Es bahnt sich die intensivste Kraftentfaltung der Sonne an. Und allmählich ist auch ihre destruktive Seite zu ahnen. Aus der lebensspenden Kraft der Sonne, die alles wachsen, gedeihen, fruchten und reifen läßt, wird allmählich auch die zerstörerische Kraft des Verbrennens und Verdorrens.

Die Sommersonnenwende mythologisch betrachtet: 

Die helle und die dunkle Jahreshälfte finden in vielen Mythen ihren Ausdruck im Bild zweier ungleicher Brüder, zweier Könige oder Götter.  Der eine ist hell und licht, der andere dunkel und düster. Wie die beiden Jahreszeiten rivalisieren sie miteinander, um sich in der Regentschaft abzulösen. Der helle Gott der Sonne, der auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt ist, stirbt von der Hand des Dunklen den Opfertod. Damit vollzieht er das Schicksal alles Lebendigen nach: den Tod im Herbst, die Wiedergeburt aus dem Schoß der lebensspendenden Göttin. Der Tod des einen Gottes verleiht dem anderen die Macht. Die Sonnenwenden markieren den Umschwung dieser Energie.

Die Sommersonnenwende in der germanischen Mythologie:

Lichtgott Baldur, den schönsten und freundlichsten der Asen-Götter (nordische Götterbezeichung, Götter des Krieges und der Herrschaft), findet durch seinen dunklen Halbbruder Hönur versehentlich den Tod. In der ägyptischen Mythologie ist es Osiris, der von seinem Bruder Seth getötet wird. Die Göttin Isis setzt ihn wieder zusammen und macht ihn zum Gott der Unterwelt.

Die Sommersonnenwende in der christlichen Mythologie:

Diese setzt an diese Tradition an: dem lichten Gott Christus setzt sie den mürrischen Einsiedler und Täufer Johannis entgegen, den Wegbereiter Christus. Der Geburtstag von Johannes, dem Täufer, liegt genau gegenüber Wintersonnenwende und markiert so den Eintritt in die dunkle Jahreszeit. Nur leider tritt der Aspekt der Natur, nämlich die höchste Ausdehnung der Sonne und die damit verbundene Fülle in der Natur, völlig in den Hintergrund. Der Fokus liegt jetzt auf einem Menschen, nämlich auf Johannes, dem Täufer. 

Damit wird deutlich: Die vorchristliche reine Naturverehrung am 21. Juni bezieht sich noch auf den Zusammenhang zwischen Sonnenkreislauf und bäuerlichem Rhythmus, so wie es auch in den neuheidnischen Bewegungen der Fall ist: Es geht um den Abschied von der Sonne auf dem Zenit ihres Wirkens und damit gleichzeitig um die Anerkennung der Todeskraft. Mit dem sich ausbreitenden Christentum geht dieser Aspekt immer mehr verloren.  

Kelten: Dank- und Freudenfest

Die Kelten nannten es Alban Hevin. Die katholische Kirche machte daraus das Fest zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers.
Bei den Kelten wurde die Sommersonnwende zwölf Tage lang gefeiert.
Es war die herrlich warme, wunderschöne Sommerzeit. Die Erdgöttin war schwanger mit werdenden Früchten der Erde. Alles wuchs und gedieh. Und viele wunderbare Früchte konnten schon geerntet werden. Es war die sorgloseste Zeit des Jahres, wenn man bedenkt wie schwierig das Überleben früher oft war. Man kann die Natur in ihrer ganzen Fülle und Fruchbarkeit riechen, schmecken. Es ist wie ein ganz besonderer Gesang oder Klang, der überall mitschwingt. Alles ist im Überschwang vorhanden - auch die Lust und die Freude.

Somit war das Mittsommerfest ein Fest der Freude und des Dankes. Und auch das Mittsommerfeuer war ein Dankes- und Freudenfeuer.

Die Frauen brauten Starkbier mit entsprechenden Kräutern, die eine besondere berauschende und aphrodisierende Wirkung hatten. Die Feuer wurden umtanzt und übersprungen. Liebesschwüre wurden dabei geschworen. Kinder über das Feuer geworfen, um sie gegen Krankheiten zu stärken. Und natürlich war wieder viel Raum für Erotik, Lust und Leidenschaft.

Welche Götter und Göttinnen sind an Sommersonnenwende von Bedeutung? 

in den ältesten mythologischen Forschungen, besonders der Germanen und Kelten, war die Sonne eine weibliche Gottheit mit dem Namen SOL oder SUL, deren "abgetrennter goldener Kopf" noch heute im englischen Bath im Museum zu besichtigen ist.  Die Sommergöttinnen verkörpern den partnerschaftlichen und mütterlichen Aspekt. Es ist die Zeit der voll entfalteten roten Sonnen- und Mondgöttin in ihrem leidenschaftlichen, feurigen, aber auch mütterlich – nährenden Aspekt.

Die Göttinnen dieser Zeit sind die großen Muttergöttinnen, die Göttinnen der Fülle und des Überflusses: ägyptische Isis, indische Lakshmi, römische Juno, griechische Hera,  germanische Frigg.

Die germanische Frigg wird als die mütterliche Seite der freizügigen Liebhaberin Freya gesehen. Frigg ist die ruhige, wissende Göttin, die als mild, vertrauensvoll und liebend beschrieben wird.

Die Sonnengöttinnen wurden verehrt vor allen in matriarchalen Kulturen, wo die Frau noch ihren Platz als Priesterin, Heilerin, Kriegerin, Seherin und Schamanin hatte. Sie tanzten an diesem Fest auf den höchsten Bergen und hatten dort natürlich auch ihre Freudenfeuer.  Vor allem die nordischen Völker (Germanen, Lappen, Balten, Kelten)  verehrten Sonnengöttinnen.

Die geistig-spirituelle Bedeutung von Sommersonnenwende

Sommersonnenwende hat folgende Schwerpunkte:

  • das Erlebnis des Umschwungs, der fast unmerklichen Veränderung der Richtung auf dem Höhepunkt
  • den Gegenpol zur Sonnenkraft wahrnehmen und integrieren
  • mütterliche Fürsorge für andere und für das eigene innere Kind entwickeln
  • ein Gefühl von Fülle, Reichtum und Schönheit entwickeln
  • den Zugang zur Göttin der Fülle, der Liebe und der Mütterlichkeit finden

Das helle Licht der Sonne regt dazu an, Verborgenes ans Licht zu bringen und einen kritischen Blick auf Lebensumstände zu werfen, die dem Wachstum nicht mehr dienlich sind – oder es womöglich behindern und einschränken. Manchmal wagen wir es nicht, der Wahrheit ins Auge zu sehen und uns einzugestehen, dass uns Menschen und Verhältnisse nicht gut tun. Denn wenn wir ehrlich sind, müssten wir vielleicht etwas verändern. Wir fürchten uns davor, Vertrautes zu verlassen, selbst wenn es uns entspricht, aus Angst vor dem, was danach kommen könnte. Doch damit stehen wir uns oft selbst im Weg. Es ist eine Geste der Liebe, sich die Wahrheit einzugestehen, selbst wenn sie unangenehm ist und Veränderungen nach sich zieht. 

Fragen für ein Ritual an Sommersonnenwende

Die Sonne hat ihren Höhepunkt erreicht, die strahlende Kraft lässt uns luxuriöse Üppigkeit genießen.  Alle Sinne werden angeregt. Schöpferische Energien und Kräfte werden geweckt. Wir können geben und nehmen, alles ist im Überfluss vorhanden.

  • Verwende ich meine Kraft für all das, was mir wichtig ist?
  • gibt es in meinem Leben Bereiche, wo ich mehr wachsen, mehr Fülle und Reichtum reinbringen möchte?
  • Wodurch kann der Austausch in meinen Beziehungen bereichert werden?
  • Wo suche ich, wo finde ich wahre Freude?
  • Wo/was kann/darf ich mehr nehmen, mehr geben?
  • In welchem Lebensbereich könnte ich mich selbst besser umsorgen?
  • Wie kann ich lernen, mich um die Erfüllung meiner inneren, vielleicht auch kindlichen Wünsche zu kümmern?

Anregungen:

  • Visualisiere das Licht und die Wärme der Sonne in der Gegend deines Herzens
  • Erinnere dich heute und in den nächsten Tagen immer daran, das die Sonne in dir und durch dich scheint
  • Atme und fühle
  • Es gibt weiter nichts zu tun…

Sonnenwendekräuter

Für alle Kräutersammler sei gesagt, dass dieses Fest ein Höhepunkt für viele Pflanzen ist. Die Sonnenenergie ist am höchsten in ihnen, und besonders in der kalten dunklen Winterzeit sind das Pflanzen, die heilsam auf Seele und Körper wirken und ihr gespeicherte Sonnenenergie an uns abgeben. Da wo wir es am nötigsten haben.
Zu den bekanntesten Planzen gehört an erster Stelle das Johanniskraut, das vor allem antidepressiv wirkt und entzündungshemmend. Seine Blüten sollen etwas vom Blut des geköpften Heiligen enthalten (laut Storl). Desweiteren Beifuß, Eisenkraut, Kamille, Holunderblüten, Schafgarbe, Gundelrebe, Blutwurz, Bärlapp, Arnika, Ringelblume, Königskerze, Kümmel.

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