Johanniskraut räuchern

Hypericum perforatum, Hartheu, Echtes Johanniskraut

Johanniskrautgewächse, Staude

Vorkommen: Europa, Westasien und Nordafrika

Merkmale und Besonderheiten

Das Johanniskraut ist eine ausdauernde, krautige und winterharte Pflanze, die bis zu 1 m hoch werden kann. Es blüht zwischen Juni und August und liebt sonnige Standorte. Seine Blätter erscheinen im Gegenlicht betrachtet wie „perforiert“. Die ganze Pflanze, besonders jedoch die goldgelben Blütenblätter enthalten  den Hauptwirkstoff Hypericin, der beim Verreiben der gelben Blüten als rötlicher Saft an den Fingern haften bleibt. Wir finden es auf Magerwiesen, Waldlichtungen, Böschungen, Brachen, Waldrändern und selbst auf Bahnschotter. Es verträgt sich gut mit Mädesüß, Süßgras, Beifuß, Weihrauch, Dammar, Mastix.

Wirkung und Anwendung

Johanniskraut hat auch in die moderne Medizin Einzug gehalten: Seine stimmungsaufhellende Wirkung bei leichteren Depressionen, Niedergeschlagenheit und Unruhe wird sehr geschätzt. Auch in Räucherungen wird es zu diesem Zweck eingesetzt, jedoch noch mehr aufgrund seiner Symbolik für Licht und Sonne. Die gelben Blütenblättchen verleihen jeder Räuchermischung eine heitere und fröhliche Ausstrahlung, die mit ihrem würzig-krautigen, leicht an Heu erinnernden Duft trübe Gedanken verscheuchen. Es ist außerdem Bestandteil für atmosphärisch reinigende Räucherungen, um schwere Energien aufzulösen. Traditionell wurde es dafür in Haus und Hof geräuchert, auch in den Raunächten. Johanniskraut ist zusammen mit  Beifuß einer der wichtigsten Pflanzen des Jahreskreisfestes am 21. Juni, der Sommersonnenwende.

Kulturelle Hintergründe

Johannis der Täufer, dessen Gedenktag der 24. Juni ist, lieh dem Johanniskraut seinen Namen, der demnach christlichen Ursprungs ist. Die Legende erzählt, dass der durch das Verreiben der Blütenblätter austretende blutrote Saft das Blut des enthaupteten Johannes symbolisiert. Einer anderen Legende nach soll es das Blut Christi sein, deswegen auch der volkskundliche Begriff Herrgottskraut. Die Blütenblätter des Johanniskraut werden sogar zu Liebesorakeln benutzt, um den Liebsten zu sehen: Die jungen Mädchen haben einen  Johanniskrautkranz im Haar getragen beim traditionellen Tanz an Sommersonnenwende oder beim Sprung über das Feuer. Die Burschen sollen von der leuchtenden Strahlkraft der Blüten angelockt werden und sich ihrer Liebsten zeigen. Das ist doch mal eine echte Alternative zur Single-Börse!